Die künstlerische Jahresschau des Dreilandes

Elf Vernissagen in zwei Tagen: Eine Vorschau auf die Regionale 19

Kam hier etwa ein Faun oder gar Apollo vorbei? Axel Goualas Skulpturen sehen aus, als hätte Ovid sie erfunden. Irgendwann ist selbst für antike Götter und Halbgötter die Zeit der Nymphen vorbei. Goualas Serie der «Totem-Voyage» treibt unerwartete Blätter. Aus Rollatoren spriessen ganze Büschel, ein Staubsauger wird durch eine grosse Topfpflanze lahmgelegt und ein Holzstecken, der in einem Bürostuhlunterteil steckt, ist mit künstlichem Fell behangen. So als retteten sich die zweifellos sehr nützlichen Objekte vor so viel Vernunft in die Freiheit der Natur, so wie sich in Ovids Metamorphosen junge Frauen von den Zugriffen der Männer befreien, indem sie Ölbäume und Quellen werden. Die Arbeiten des 1987 in Paris geborenen Künstlers, der in Strassburg studiert hat, sind irgendwo mitten im Verwandlungsprozess gestoppt worden und stehen ganz selbstbewusst zu ihrer Dysfunktionalität. Und so kommentieren sie bildhaft das dialektische Verhältnis von Arbeit, Selbstoptimierung und Freizeit. Ein wenig sind all diese Palmen, das Efeu und das Gras, das eine Leiter bewächst, Ausdruck unserer Sehnsucht nach Natur, wenn nicht gar nach der Ferne und dem Exotischen. Arbeit und Ferien: hängt man dem protestantischen Arbeitsethos an, so lässt sich das eine nicht ohne das andere denken. Für alle anderen gilt: einen Versuch wäre es wert.

Annette Hoffmann

Basel

2018